Dienstag, 1. August 2017

Herzmolekülrausch

Und jetzt liege ich hier im Dunklen in der Nacht. Alles um mich herum schläft, ich vernehme ein friedvolles Schnorchelgeräusch zu meiner Rechten. Links atmet euer Papa ruhig. 
Und ich tippe diese Zeilen voller Demut und tiefer Liebe im Herzen. 

Drei kleine Menschen seid ihr. 
Es ist als wäre es nie anders gewesen. 
Als wäre jedes einzelne Molekülchen schon immer fester Bestandteil meines Herzens. 
Es gab keinen besonderen Moment, an dem ich mich in euch verliebte. Zumindest erinnere ich mich nicht (mehr?) daran. Es gibt nur mein jetziges Gefühl. Und das sagt: Mein Herz schlug schon immer für euch. 

Es ist wahr: Liebe muss nicht geteilt werden. Ihr braucht euch darum niemals zanken. Ich habe nicht "GENÜGEND für alle", ich habe einfach unendliche Liebe. Für jedes meiner Kinder. 
Ihr werdet euch um diese Liebe niemals bemühen müssen. Braucht mir nicht beweisen, dass ihr sie wert seid. Dass ihr es verdient habt geliebt zu werden. 
Ich braucht absolut gar nichts dafür machen. 
Nicht besonders liebenswürdig sein. Oder besonders höflich. Oder besonders sportlich. 
Ihr sollt einfach ihr sein. Mit schlechter Laune, mit Teenagerpickeln, mit lauter Musik. Oder auch nicht. 

Lebt. Erfindet euch neu. Und findet euch vorher. Wie ihr mögt. Was ihr wollt. 
Denkt laut nach. Hinterfragt! Seid mutig oder ängstlich. Alles gleich. 
Habt Spaß an Mathe. Oder an Deutsch. Oder seid davon genervt. Spielt Fußball. Oder Tennis. Oder tanzt. Oder gar nichts davon. 

Lasst eure Freude ebenso heraus wie Wut oder Traurigkeit. 
Seid verletzt und teilt es mit mir.
Seid glücklich und teilt es mit mir. 
Liebt. Uneingeschränkt. Frei. 
Ich bin dabei. Bei allem.
 
Ihr braucht euch meine Liebe nicht erkämpfen, sie ist unbändig immer da. Wird es immer sein. 
Sie wird euch begleiten. Euch tragen. Euch Vertrauen geben. 
Sie wird euch stärken. Und ermutigen. Und euch geliebt gefühlt machen. 
Das Gefühl bedingungslos geliebt zu sein. Das kann ich euch geben. Das werde ich euch geben. 

Das gebe ich euch. 
Denn sie ist da. 
Wird niemals vergehen. 
Die Liebe zu euch. ❤


Dienstag, 27. Juni 2017

Willkommen in meinem Kopf. Und in meinem Herzen

"Und plötzlich seid ihr zu fünft. Wie ist das denn so? Von einem Kind auf gleich drei, das stelle ich mir wahnsinnig krass vor!?" 

Solche Fragen werden mir ziemlich oft gestellt. Gerade mit ihrem zweiten Kind Schwangere sind neugierig und möchten, dass ich aus´m Herzmolekülschen Nähkästchen plaudere. Ich blicke in ihre ängstlichen Augen. Das ist in etwa so, als würde man jemanden fragen, wie denn so eine OP am offenen Herzen wäre und ob man nicht mal zuschauen könnte? Neugierig. Und ein bisschen Manschetten vor der Antwort.

Und dann lege ich immer los und erzähle bereitwillig, wie das denn jetzt so ist. Emotional. Organisatorisch. Und überhaupt.
"Weil, wenn die Penny das mit drei Kindern (und Zwillingen) irgendwie schafft und überlebt, dann schaffe ich das auch!", so denken sie. 

Ich kann aber ja nur erzählen, wie das bei uns - bei mir - ist. Und ich kann jetzt gerade auf die fast ersten drei (ja, es ist der Hammer, aber nächste Woche sind sie drei Monate alt) Lebensmonate zurückblicken. Da waren noch keine ersten Zähnchen im Anmarsch, da war noch nichts wirklich Ungemütliches außer viele Kolliken dabei. Das wird noch folgen und dann wird es vielleicht auch mal andere Statements von mir geben.

Das Leben mit drei Kindern, drei kleinen Kindern, ist schön. Und chaotisch. Und absolut lebenswert, auch wenn ich wirklich jeden Abend ziemlich geschafft bin, so bin ich längst nicht so ausgepowert, wie ich es beim Minimolekül war. Denn da war alles neu, man war absolut durchgeknallter Erstlingselter und - nehmen Sie mir das jetzt nicht krumm, denn ich spreche da ja auch für mich - als Elter des ersten Kindes hat man leider, leider so richtig einen an der Murmel. 
Was soll´n wir es beschönigen, wenn´s Fakt ist?

Erstlingseltern drehen am Kabel, wenn das Kind schreit. Weil man irgendwo mal gelesen hat, dass man am Schrei des Kindes erkennt, was es hat. Und weil man dann da sitzt und versucht in den 3,58 Millisekunden, in denen man das Kind schreien lässt, herauszufinden, ob es da tatsächlich einen Schreiunterschied gibt? Und man dann klatschnassgeschwitzt mit Schuldgefühlen beladen, weil man es eben nicht unterscheiden kann, das Potpouri der guten Laune auffährt, sprich: 
Hunger, Pipi, AA, Nähe, irgendwas Anderes, Langeweile, zu kalt, zu warm, falsche Liegeposition, Bock auf´n Buch?

Und irgendwas von dem passt dann oder vielleicht auch nicht. Und dann geht es weiter mit den Schuldgefühlen, weil man es einfach nicht drauf hat und ALLE ANDEREN wüssten jetzt, was ihre Melody-Sunshine für ein Bedürfnis hat, nur ich, die offensichtlich schwerhörige Losermami, die weiß es nicht.
Man macht es sich schwer. Unnötig oftmals, aber das sagt einem ja keiner. Weil wir es ja auch lieber für uns behalten, denn auf kluge Tipps Anderer, ne, danke, da verzichtet man lieber.
Was fehlt sind ehrliche Menschen, die sagen: 
"Das ist dein erstes Kind. Du bist soeben auf einen völlig anderen Planeten gepurzelt. Alles ist anders. Neu. Und du musst dich da erstmal wiederfinden. Neu erfinden teilweise. Und was ich ganz, ganz wichtig finde: Suche dich wirklich wieder. Verliere dich nicht aus den Augen."
Ich habe es zu oft erlebt, dass die werdenden Muddis noch hochtrabend erzählten, dass sie ja auf gar keinen Fall so eine Mutter sein werden, die sich vergessen/links liegen lassen und nichts mehr von ihnen überbleibt, bis sie dann das Kind bekamen und was soll ich sagen: so schade.
(Dazu erinnere ich mich an meinen polarisierendsten Post aller Zeiten!)

Zurück zum Ist. Nach drei "Übungssäuglingen" kann ich jetzt sagen: Ich erkenne langsam -  ab und zu - tatsächlich Unterschiede. Ein schrilles Meckergeschreische vom Ballerinamolekül und ich weiß: "Hui, die kleine Dame ist müde." 
Ein Knöttermeckern des kleinen Punkmoleküls und ich muss das Minikind hochnehmen, weil da ein Bäuerchen raus muss. 
Allmählich wird das was. Aber ich habe dafür drei Kinder, davon zwei parallel bekommen müssen. Und es ist auch trotzdem oft noch so, dass meine Interpretation nicht zusagt und ich dann weitersuche nach dem Heiligen Gral, der das Baby beruhigt und zufrieden macht.
Und hier sind wir an einem Punkt, der ist wirklich unfassbar zu schreiben: Das kommt nicht oft vor. Ich weiß nicht, ob es an meiner besonnenen Art (Herr Herzmolekül, halte dich da schön raus!) liegt, an meiner Zufriedenheit und meinen Glücksmolekülen oder einfach daran, dass wir - nach einem sagen wir ziemlich anspruchsvollen Minimolekül - nun zwei lässige Mädchen haben, aber es ist so. Die beiden Ladies sind ziemlich zufrieden. Schlafen viel und gut. Besonders in der N...haha...ich bin jetzt kein Anfänger mehr, DAS schreibe ich definitiv nicht aus...Sie lachen viel, sind neugierig und aufgeweckt, kämpfen mittlerweile immer weniger mit schlimmen Kolliken und waren selbst da, in den Bauchwehhochzeiten, sowas von umgänglich. Einfach unglaublich.
Früher habe ich Menschen richtig stocksauer angestarrt, wenn sie mir von ihrem superpflegeleichten Baby erzählt haben. Und aus Selbstschutz habe ich denen das nicht abgekauft. Ich vermutete dahinter eine Verschwörung. Es konnte kein Baby geben, was stets zufrieden ist (bis auf kleine Ausnahmen), was nicht nicht abgelegt werden konnte, was alleine einschlief, ohne Armschunkelei und nicht wieder wach wurde, sobald es abgelegt wurde. DAS konnte, nein, das DURFTE es nicht geben. Denn dann hätte ich mich noch beschissener gefühlt, weil mein kleines, so liebreizendes Minimolekül der absolute Antischläfer war. Mit wochenenlangen Schreianfällen am Abend. Stundenlang. Anpassungsstörungen, nannte der KiArzt es letztlich. 
Und jetzt? Hamwa nich´!

Was wir aber haben sind drei Kinder. Jedes davon bereits jetzt schon so unterschiedlich in seiner Art. Und jedes davon auch verschieden in seinen Bedürfnissen. Die Punkerlady liebt es zum Beispiel ganz eng in der Bauchtrage an mir. Das Balletmolekülchen findet das albern. Und wird sehr, sehr mies gelaunt, wenn ich mit der Trage auch nur um die Ecke komme. Sie möchte etwas sehen und trainiert deswegen fleißig ihre Nackenmuskulatur. Und das Minimolekül? 
Das mag es "Katsch" zu machen. Den lieben langen Tag (manchmal ist so´n Tag ja wirklich verdammt lange. Vor allem, wenn es regnet und wir nichts vorhaben, puuuuuh) soll ich also mit ihm Quatsch machen, was bedeutet: Wasserpistolenschlacht, Einkaufen kommen in seinem Supermarkt, mit ihm in der Nestschaukel abhängen und so hoch schaukeln, dass uns beiden ganz schwindelig wird, Bücher lesen, Laufrad fahren, Helm anziehen und ausziehen und anziehen und ausziehen und Sie wissen schon, Roller fahren, beim Trampolin hüpfen jubeln oder selber hüpfen, aber da hat mir mein Beckenboden letzte Tage echt einen Vogel gezeigt und ist seitdem grantig und so weiter und so fort.
Und da kommen wir zur eigentlichen Schwierigkeit. Nämlich zu meinem Gewissen. Ich möchte so gerne allen Dreien gerecht werden. Wenn ich mit dem Minimolekül ein Buch lese, kann ich parallel die Babies bekuscheln oder füttern. Wenn das Minimolekül aber schaukeln will und zwar mit mir zusammen und gerade hat eine seiner Schwestern ein anderes Bedürfnis: Halleluja, das ist manchmal wirklich anstrengend. Man erklärt dem "Großen", was los ist und darf dabei nicht außer acht lassen, dass er auch erst 2,5 Jahre alt ist. Er versteht zwar meine Worte, aber er muss nicht verständnisvoll reagieren. Und erst recht muss er damit nicht einverstanden sein, dass ich jetzt erst die Babies füttere und wir dann weiterspielen. Aber diese Momente schaffen wir auch. Zusammen. Mit Kompromissen. Ich bin eine wahre Kompromissqueen geworden. Und obwohl das ungelogen so ist, so ist es auch die Wahrheit, dass ich ab und an aus der Haut fahre. Vor allem, wenn zwei Kinder vor Hunger schreien und das Minimolekül sich dann vor mich stellt, seinen Milchzahnmund aufklappt und laut, seeeeeeeehr laut brüllt, dann bin ich manchmal ziemlich nervlich überstrapaziert und reagiere geladen. Und danach fühle ich mich total beschissen, weil ich so gereizt reagiert habe. Und dann entschuldige ich mich natürlich sofort, das mildert aber mein Beschissenheitsgefühl nicht. 
Und das wiederum ist echt ziemlich blöd. Daran muss ich noch sehr viel arbeiten. 

Um mal ein Fazit zu ziehen: Es gibt keins.
Natürlich gibt es mein eigenes, bedeutungsloses Fazit und das ziehe ich auch gerne. Mir ist aber wichtig, dass das allen Lesenden klar ist. Es ist meins. Sehr persönlich. Mit den Faktoren meines Lebens. Es ist nicht allgemeingültig, nicht objektiv und ich erhebe keinen Anspruch auf das Nonplusultra. Jede(r) macht sein Leben so, wie es ihm zusagt. Zumindest versucht er oder sie es, denn nicht immer können wir das alles selber steuern. Manchmal sind wir machtlos und müssen uns das Leben trotz widriger Umstände schönformen. Keine leichte Aufgabe, glauben Sie mir, ich weiß das ziemlich gut, aber eine lösbare. Denn es gibt - so spricht eben die Optimistin aus mir - immer eine oder zwei oder auch drei Lösungen. Wir müssen nur lernen richtig hinzusehen und sie als Optionen überhaupt zu realisieren.

Aber zurück zum Fazit:
Das einschneidendste Familienzuwachserlebnis hatte ich mit der Geburt des Minimoleküls. Weil ab da alles anders war. Die Geburt der Zwillingsmoleküle war emotional sehr bewegend (wie es nun mal bewegend ist, wenn man plötzlich ein oder sogar zwei Menschlein gebärt), komplimentierte unsere Familie endgültig (obwohl ich auch vorher nie das Gefühl hatte, dass wir zu zweit oder dritt unvollständig waren!) und es ist bereits jetzt so als wäre es nie anders gewesen.
Natürlich waren die ersten Tage für das Minimolekül richtig schlimm. Er hatte da wirklich sehr dran zu knacken. Vor allem, dass ich im Krankenhaus tagelang war, machte ihm noch wochenlang zu schaffen. Aber auch hier fand der kleine Mann sehr schnell wieder zur Normalität zurück, wofür ich sehr dankbar bin. Gerade frisch entbunden, voller Hormone und ein total verständlicherweise durchgeknalltes, überfordertes Kleinkind: uffz. Das war ziemlich hart. Mittlerweile ist es aber kein Thema mehr. Er liebt seine Schwestern (noch!) und findet sie total spannend, wenn sie in die Windel machen (noch!) und dass sie einen Bauchnabel haben und überhaupt. Er wickelt und füttert gerne parallel neben mir seine Kuscheltiere und ist ein liebevoller kleiner Mensch.
Und auch, wenn wir jedem unserer Kinder liebend gerne alle Wünsche erfüllen, so wird doch jener, den er in den letzten Tagen ganz gerne auspricht wohl für immer unerfüllt bleiben:
"Is will einen Bruda habn!"

Ähm.....NEIN! 

Montag, 12. Juni 2017

Liebschta Awatt

Die berühmte Gemischtwarenhändlerin Tante Emma hat mich - derzeit ziemlich schreibabstinente - nur noch Haarknubbelträgerin für den Liebster Award nominiert.

Und wie das so mit Nominierten ist, hat man ja nur zwei Möglichkeiten:
Entweder man ignoriert die Nominierung, verprellt damit alle Fans, beleidigt die Jury und bekommt NIENIENIE mehr die Chance einen Preis zu gewinnen oder man erspart sich das ganze Theater, die öffentliche Schelte, das Empören der Fanbasis, das Betätscheln und Besäuseln der hartnäckigen Fanclubvorsitzenden und macht einfach gerne mit.

Drei Mal darf geraten werden, wofür ich mich entschieden habe.


Nun gut, dann woll´n wa ma guck´n


Die Fragen:
 
1. Butter oder Margarine?


Um Gottes oder wessen auch immer Willen NICHTS von beidem. Ich bin da ganz schlimm fies vor. Butter kommt in die Pfanne. Oder Margarine. Oder in den Kuchen. Aber als Brotunterbelag geht das nicht. 


2. Bier oder Wein?


Weder noch. Bier ist mir zu herb (okay, ich mag so´n gepanschtes Zeug, aber das zählt ja nicht und der Brauer und Verfechter des deutschen Reinheitsgebots hasst mich sicher) und von Wein bekomme ich leider total nicht coole Migräne. Beim Rotwein allein vom Geruch. Beim Weißwein zumindest nach dessen Genuss erst. Ich trinke ihn trotzdem gerne (wenn ich Triptane im Haus habe!).

3. Was würdest Du machen, wenn Du einen ganzen Tag Zeit für Dich alleine hättest?

Meine Familie vermissen. Und in Ruhe wellnessen mit allem Zipp und Zapp. Und vermutlich, weil ich leider sehr bekloppt sein kann, würde ich dann noch in Ruhe Wäsche waschen.

4. Wem würdest Du wirklich gerne mal so richtig die Meinung sagen, ohne dass es Konsequenzen hätte?

Ganz ehrlich: Ich sage meine Meinung. Mir sind Konsequenzen im Affekt ohnehin komplett wurscht. Und wenn ich nachdenke und besonnen jemandem meine Meinung geige, sind sie mir eigentlich auch egal. Also bei elementaren Dinge, versteht sich. Ich verärgere jetzt nicht unseren 84jährigen Nachbarn, weil ich finde, dass er ein Stefan Raab anmutendes falsches Gebiss trägt und ihm das sage. (Aber es stimmt!)

5. Magst Du Tiere? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Ich sag´s mal so: Ich finde einige Tierarten schön. Zum Beispiel Pferde. Pferde sind schöne Tiere. Leider habe ich eine ausgeprägte Pferdehaarallergie. Hunde können auch knorke sein, aber da bin ich wählerisch. Ich mag keine kleinen Kläfferhunde. Ich finde die komisch. Und die kläffen halt immer. Das ist nichts für mich. Generell bin ich eher so:"Ah, total süß, aber bitte nicht für immer bei uns im Haus." Ich bin mit Tieren großgeworden und mag es nicht, wenn Hunde pupsen. Oder das Wohnzimmer vollkacken, weil sie Dünnpfiff haben. 

6. Was vermisst Du am meisten in Deinem Leben?

Ich bin nicht der Typ, der zurückblickt und Dinge bedauert. Dafür ist mein Leben zu schön (geworden) und ich mag das nicht schmälern. Aber liebende, verständnisvolle Eltern zu denen ich ein tolles Verhältnis habe, das wäre schon ganz nett gewesen.

7. Würdest Du gerne nochmal von vorne anfangen?

Absolut auf gar keinen Fall!

8. Würdest Du gerne spoilern können, wie Dein Leben weitergeht?

Absolut auf gar keinen Fall!

9. Was machst Du, wenn Dich jemand menschlich sehr enttäuscht hat?

Mich zurückziehen. Und es dem jenigen sagen (sofern er es nicht merkt!)

10. Was würdest Du gerne in Deinem Leben ändern, weißt aber nicht wie?

Ich würde gerne besonders gerade beim Minimolekül extrem sehr viel totaaaaaaaaaaal geduldig sein.

11. Wenn jetzt eine gute Fee käme: Welche drei Wünsche würdest Du äußern?

 a) Gesundheit und Zufriedenheit für all meine Liebsten
b) Dass meine Kinder immer wissen wie sehr sie geliebt sind
c) Bisschen bescheidener: So 5 Millionen EUGOS auf´m Konto wären schon ganz supi.



So, ich verneige mich und husche mal schnell von der Bühne!




Eure Penny, die eigentlich einen "Wie es so hier läuft"-Post in der Hirnpipeline hat. 




Freitag, 28. April 2017

Our lives are made in these small hours - These little wonders

Heute sollte also der Tag sein. Der Tag, an dem wir ins Auto stiegen und ins Krankenhaus fuhren. An dem wir euch in dieser Welt begrüßen wollten. Sehnsüchtig erwartet. Schon jetzt geliebt bis in eure winzigen Zehenspitzen. 

Als wir euren kleinen-großen Bruder gemeinsam in die Kita brachten, war mir zum Weinen. Nichts würde mehr so sein wie vorher. Nie mehr würde ich mein kleines Minimolekül als Einzelkind aus der Obhut der Kita abholen. 
Es war ein mulmiger Abschied. Ich wollte nicht von meinem Kind getrennt sein. Ich wollte ihn bei mir, bei uns, haben. 
Auch der kleine Kerl spürte all die neuen Dinge, die da warteten und war irritiert. Ich wollte ihn gar nicht loslassen und hielt ihn so fest. Und er mich. Wir hielten uns alle drei und mir war plötzlich so schwer ums Herz. Da standen wir nun im Vorraum dieser Kita und würden uns gleich auf dem Weg machen in unser neues Leben zu fünft. 
Im Auto weinten wir beiden supitaffen Eltern hemmungslos. Anspannung und Sorge um euren Bruder, wie er das wohl verpacken würde (da gingen wir noch total euphorisch von einer Nacht aus) von uns getrennt zu sein, mussten raus. Sollten nicht unausgesprochen den Weg zum Krankenhaus begleiten. 
Wir sagten uns gegenseitig, dass alles gut ist und werden würde und fuhren los. 

Im Krankenhaus angekommen sollte ich sofort in den Kreißsaal. Da wir die Anmeldung zur Geburt im Vorfeld bereits gemacht haben, wurde ich ans Ctg geschlossen. Toc-Toc, Go-Gong. Eure Herzen, diese schlagenden, wild galoppierenden Herzen in meinem Bauch, die werde ich niemals vergessen. Ich wusste sofort, wo von euch welches Herzchen zu finden war und so verging eine lange Zeit des Aufzeichnens.
Irgendwann gegen Mittag (wir waren um 9 Uhr in der Klinik) konnten wir ein Familienzimmer beziehen. Um 14:30 Uhr sollte ich erneut zum Ctg und zur ersten Einleitungsminiportionsverabreichung (super Wort *auf_Schulter_klopf) im Kreißsaal erscheinen. 
Dort bekam ich eine Viertel Probetablette. Der MuMu wurde endlich mal von einer Hebamme untersucht und der Befund war nicht überraschend für mich: noch nicht vollständig verkürzt, etwa 1 cm durchlässig, weich. "Sie bekommen Ihre Kinder schon so. Es dauert eben nur etwas!", sagte der Chefarzt. Und tief in mir drin wusste ich, dass das SO defintiv nicht funktionieren würde. 
Die mich bis dahin betreuende Hebamme, die auch letztlich bei eurer Geburt dabei sein würde, hatte gerade ihren dritten Arbeitstag in dem Krankenhaus. Sie war Anfang 20 und so sehr ich mir Mühe gab sie als kompetende Frau zu sehen, so sehr gab sie sich Mühe dieses Bild auf gar keinen Fall abzugeben. Das war anstrengend. Jedes Mal beantwortete sie eine Frage, ging aus dem Raum, kam nach zwei Minuten wieder herein und sagte: "Entschuldigung, ich habe jetzt nochmal nachgefragt. Das wird hier genau anders gemacht als ich es kenne."

Ich bin jetzt nicht so der total verständnislose Mensch und sie war auch wirklich ganz putzig, aber bei so manchen elementaren Dingen ging mir das langsam auf den Keks.
Jedenfalls wurde ich wehenlos auf mein Zimmer geschickt und sollte gegen 19 Uhr wiederkommen (oder eben eher!).
Um 19 Uhr holte ich mir also eine weitere Dosis (1/2 Tablette) ab und wurde wieder nach einem ellenlangen Ctg und unverändertem Befund aufs Zimmer geschickt. 
"Kommen Sie gegen 0 Uhr wieder!"
Gegen 21 Uhr tat sich plötzlich was. Wehen. Von 0 auf 100. Hui. Ich veratmete. Stoppte die Zeit. Alle 2 Minuten. Yippieyeah. Der Wehenknopf am Rücken war wieder aktiviert, man hatte ich diesen krassen Rückenschmerz mal so gar nicht vermisst. Halleluja, das tut weh, also gehen wir mal zum Kreißsaal. 
Dort angekommen war gerade der Schichtwechsel im vollen Gange. Und leider erwischte mich Prinzessin Valium persönlich als nun diensthabende Hebamme. Als erstes erklärte ich ihr die Sachlage. Also, dass da Zwillinge in meinem Bauch wohnen, dass ich bereits die zweite Dosis Tabletten in mir habe, dass ich - verdammte scheisse tut das weeeeeeeeheeeeeeee - gerade herumwehe und veratmen muss und dass es die Anordnung des Chefarztes gäbe, dass mir bei regelmäßigen Wehen unverzüglich eine PDA gesetzt werden sollte.
Alles Dinge, die bei der Patientenübergabe eigentlich die Hebammen weitergeben sollten. Nicht der Patient. Und schon gar nicht eine schnaubende Gebärende. 
Von der PDA wollte die Dame nichts wissen. Es war mittlerweile 22:30 Uhr, ich musste während der Wehen am Ctg hängen und dachte kurzfristig darüber nach (nicht zum letzten Mal) diese ganze Geschichte hier abzublasen und irgendwann in nächster Zeit dann nochmal neu zu starten. 
Stattdessen sollte mein MuMu nochmals getastet werden. Leider war die Hebamme als einzige dazu nicht in der Lage. Sie fummelte unter starken Wehen an mir herum, drehte ihre Hand, ich schrie vor Schmerzen und sie pröckelte weiter an mir herum. Irgendwann gab sie auf, es war alles voller Blut und sagte, dass man da ja gar nicht drankäme. Ich erklärte ihr entkräftet, dass sie die EINZIGE wäre, die nicht drankäme. Das war ihr egal. 
Von da an blutete ich wie ein kleines aufgespießtes Ferkelchen, aber das tat sie mit: "Das war ich aber nicht!" ab. 
Gegen 3 Uhr in der Nacht, nachdem ich Wehe um Wehe veratmete, bekam ich einen Schmerztropf und konnte ein wenig  wegdämmern. Nach 30 Minuten war die Wellnessphase wieder vorbei und es ging wieder los. Dieses Mal in 1 Minuten Abständen. Wieder wollte sie den Befund abtasten. Wieder tat es einfach nur weh, weil sie in den Wehen keine Pause machte, wieder sagte sie dann nach Minuten des Herumpöckelns, dass sie nicht drankäme. Und dann lehnte sie sich an die Tür und sagte mehrmals: "Hmmmm....hmmmm...hmmmmm...was mache ich denn jetzt mit Ihnen...hmmm..."
"Wenn Sie das nicht können, dann holen Sie jetzt sofort den diensthabenden Arzt. Meine Frau hat Wehen. Sie sind nicht in der Lage den MuMu zu ertasten und es soll EIGENTLICH SEIT STUNDEN eine PDA gelegt werden!", tönte euer Vater. Ich war so froh, dass er diesen Part für mich übernahm. Ich konnte einfach nicht mehr und fühlte mich nicht gut betreut. Jemand, der vor einer wehenden Schwangeren steht und minutenlang lautstark darüber nachdenkt, was jetzt zu tun wäre, vermittelte mir kein gutes Gefühl. 
Gegen 4 Uhr ließ sie endlich einen Arzt kommen. Dieser untersuchte mich. 2-3 cm. Für eine PDA zu früh, sprachs und rauschte ab in die Nacht. 
Ooookaaaay, sprach ich und kotzte den Kreißsaal und alles um mich herum voll. Nierenschälchen um Nierenschälchen wurden mir panisch gereicht, ich wehte und kotzte und fluchte. 
Plötzlich verschwand Valia (ich nenne sie jetzt mal so) und zack...eine halbe Stunde nachdem er verschwand, stand der Oberarzt wieder vor mir. "Ihnen geht es ja gar nicht gut. Sie bekommen die PDA. Denn Sie werden noch lange ausharren müssen so wie es aussieht."
Joar, mach mir Mut. Seeeeehr subtil, Freundchen! 
Um kurz nach 5 Uhr morgens saß die PDA. Euer Vater wurde für zwei Stunden zum Schlafen geschickt. Er wollte nicht weg. Ich bestand drauf und schwor ihm, dass er a) in 1 Min vom Familienzimmer im Kreißsaal wäre, falls sich was täte und b) sich nichts täte. 
Er ging und kam sichtlich gerädert gegen 7 Uhr morgens wieder. 

Derweil hatte ich's recht gemütlich. Ich lag im Kreißsaal Nr. 6 in meinem hintransportierten Krankenhausbett und diese PDA...also die war himmlisch. Ich war begeistert und kam wieder zu Kräften. Der Wehenschreiber schlug heftigst aus und ich spürte diese Wehen nicht. Ein Träumchen! Mein Bauch wurde steinhart und ich ließ ihn arbeiten. Ich duselte immer wieder ein und blickte dann ungläubig auf die krass aufgezeichneten Zacken. Wir frühstückten etwas und ich wehte gelassen dabei weiter. "Das ist dermaßen easy", sagte ich zu eurem Vater "so gebäre ich auch sechs Kinder!" 
Mein Urinkatheter wurde regelmäßig geleert und ich - als absolute Urinkatheterfrischlingstante - war auch davon fasziniert, denn man merkt ja gar nicht, dass man Pipi macht. Voll ulkig. 
Irgendwann wurde es nass. Es war gegen 11 Uhr. Die Fruchtblase von dir, unserer erstgeborenen Miniprinzessin war gesprungen. Ich feierte diesen Moment regelrecht ab. Die Nachtschichthebamme war mittlerweile zum Sandmännchen geschickt worden und die kleine "Es ist definitiv SO-ach ne doch nicht" war back in da Kreißsaal. 
Und diese Spaßbremse antwortete auf "Juchu, jetzt MUSS es ja bald losgehen!" "Äh, neeee...das dauert noch!"
Als Motivationschoach wäre sie eine Niete, aber egal. 

Um 13 Uhr kam die Oberärztin um uns alle auf den neuesten MuMu-Stand zu bringen. 
Und ich muss sagen, wir gelangten da an einen Punkt, an dem ich mich wie eine eingeschnappte Leberwurst bockig in die Ecke hätte werfen können. Denn nach nunmehr 14 Stunden Wehen, war der Befund unverändert. Zu allem Überfluss ebbten die Wehen zunehmend ab. Da tat sich nichts und würde sich auch nichts mehr tun. Mir war's klar. Ich war traurig. Beide Babies lagen in idealer Geburtsposition und es tat sich einfach nichts. 
Ich besprach die Sachlage sehr klar mit eurem Papa. Sagte ihm, dass das definitiv auf einen Kaiserschnitt hier hinauslaufen würde. Ich war recht gefasst, er glaubte noch nicht dran. Doch ich hatte das im Gefühl. 
Um 15 Uhr - die Wehen waren mittlerweile gänzlich verschwunden - wurde nochmal abgetastet. Alles beim Alten. Der Obermuftichefarzt kam herein und versuchte mir seeeeeehr schonend beizubringen, dass das mit der natürlichen Geburt nichts werden würde. Ich sagte ihm mehrmals, dass ich das bereits wüsste. Dass ich es akzeptiere. Und dass ich euch einfach gesund im Arm halten möchte. 
Er versuchte mich mit den Worten: "Geburtsstillstand, da können Sie nichts machen, Sie waren jetzt so tapfer..." zu trösten, aber das hätte er nicht gebraucht. Ich war erschöpft und nach fast 24 Stunden realistisch genug, um die Situation so zu sehen wie sie war: aussichtslos. 
Und da ich zum Gebären kam, wollte ich dies auch endlich tun. 
Ich hätte euch liebend gerne - wie euren Bruder - aus eigener Kraft in diese Welt geboren, das versichere ich euch. Aber eure Geburt, so wie sie war, war dennoch wunderschön. So wunderwundervoll. 

Um 17:08 Uhr und 17:09 Uhr hörte ich zwei gellende Babyschreie. Euer Papa war die ganze Zeit an meiner Seite und ich trug tief in mir eine solche Zuversicht und Ruhe, während an mir gerüttelt wurde, dass alles gut ist und hatte keine Angst.
Und dann ward ihr da. Ich bekam euch kurz gezeigt und mir liefen die Tränen. So schöne Kinder. So! wahnsinnig! schöne! Wunder! 
Während ich wieder "zugetackert" wurde, untersuchten euch zwei Kinderärzte. Und als ich wenig später in den Kreißsaal zurückkam, wurdet ihr mir sofort in die Arme gelegt. Wir kuschelten und ich bedeckte euch mit Küssen, umhüllte euch mit meiner unbändigen Liebe und gab euch all das, was man seinen Kindern mit auf die Welt geben möchte, wenn man sie bedingungslos liebt: Die Sicherheit immer für euch da zu sein. 

Ich hoffe ihr spürt an einem jeden Tag, dass ich euch unendlich liebe? Dass ich euch drei jeden Tag immer wieder voller Dankbarkeit betrachte. Dass ich dieses Glück noch immer nicht wirklich fassen kann und mich dennoch dazu zwinge es zu fassen. Denn die Zeit ist zu kostbar, um das nicht zu tun. 

Wir haben nur dieses eine Leben. Ich werde dafür Sorge tragen, dass eures bis zum Rand mit Liebe und Geborgenheit gefüllt sein wird. 

Donnerstag, 6. April 2017

25102620

DAS sind die Zahlen, aus denen seit Dienstagabend unser erweitertes und nun komplimentiertes Glück besteht. 
Ich sitze derweil im Krankenhausbett und bestaune unsere Kinder. Unsere Doppel-Glücksmoleküle, die da jetzt so stürmisch in unsere Herzen geplatzt sind. Also gut, ich meine wehenstürmisch und dann "ach neeee, doch nicht", aber dazu dann vielleicht ein anderes Mal. 
Und jetzt bin ich hier mit meinen drei Kindern und einem so wirklich richtig tollen Ehemann und Vater und kann dieses Glück noch immer nicht fassen. Denn wir haben und hatten es: Pures, dreifaches Glück. 
Von Herzen wünsche ich all denen da draußen, die sich ebenfalls ein Wundermenschlein erhoffen, dass es (endlich) klappt. 
Das gehört nicht gerade zu den frommsten Wünschen, aber ich spreche das einfach so tief aus meinem Herzen aus, da ist für Bescheidenheit kein Platz. 

Ich melde mich sicher wieder. 
Danke für all die lieben Gedanken und Nachfragen. 
Und danke an Twitter. Ich bin nämlich da in einer Twitterbubble...hui, die ist wirklich besonders. Also falls jemand regelmäßigen Herzmolekülreport mag, dann darüber. 

Penny, die versichern kann: Glück und Liebe potenzieren sich. ❤❤❤❤



Montag, 27. März 2017

Kurz vor dem Ende

Am Wochenende hattest du Geburtstag. 
Ich erinnere mich an viele Geburtstage von dir. Du hast oft frustriert und unzufrieden gewirkt. Geschenke waren dir oft nicht recht und dann zogst du wie ein beleidigtes Kleinkind eine Schippe. DEN.GANZEN.TAG. 
Dann gab es da einen Geburtstag zu einem Zeitpunkt, an dem ich monatelang nicht mit dir sprach. Dir nicht gratulierte. Dich nicht sah. 
Es schien dir nicht wirklich etwas auszumachen, denn wenn, dann hättest du das ändern können. Mit Ehrlichkeit. Einfacher, verdammter Ehrlichkeit. Mit einem Wort, das bedeutet hätte, du würdest verstehen. Du würdest bereuen. Du würdest dich und dein Verhalten ein einziges Mal reflektieren. 
Aber das kannst und konntest du nie, und hey, jetzt - nach so vielen Jahren - wird das auch nichts mehr werden. 

Nun kam jetzt das letzte Wochenende und ich hatte tief in mir drin genau das Gefühl, das sich letztlich bewahrheitete: Es würde eskalieren. 
Es eskalierte. 

Wieder begegnete uns dieses bestimmte Gesicht, bei dem ich seitdem ich denken kann Reißaus nehmen möchte. Bei dem ich dich gerne schütteln würde, dir einen Spiegel vors Gesicht halten würde, um dir vor Augen zu halten, wie du rüberkommst. 

Ich war gereizt. Nicht erst seit kurzem, schon eine ganze Weile reiztest du mich mit deinen unüberlegten Äußerungen und deinen immer so fadenscheinigen Gründen, Kontakt zu suchen, weil du merktest, dass ich mehr und mehr auf Abstand ging. 
Aber anstatt diese Hinweise zu deuten, dich eventuell mal zurückzunehmen und meine Reaktionen auch nur einmal zu hinterfragen, machtest du weiter und weiter. Ignorant wie immer. "Was ich nicht sehe, ist nicht existent!"

Was mich an mir wirklich schockiert, ist die emotionale Abgestumpftheit, die ich mittlerweile euch Beiden entgegenbringe. Ihr könnt mich nicht mehr treffen. Ihr könnt mich nicht mehr unter Druck setzen. Ihr habt keine Macht mehr über mich. Und das fuchst euch. Das tat es schon immer. Früher war ich noch in dieser Abhängigkeit zu euch. Da hattet ihr mich im Griff. Zumindest teilweise. Und das tat weh. Sehr weh. Ich habe nichts mehr gehasst. Ich bin schon früh von Zuhause weggewesen. Habe Zufluchtsorte gesucht u. gefunden, denn ICH wollte nicht von euch abhängig sein. 
Ich weiß noch wie viel Stress ich mit euch hatte, bei JEDER Kleinigkeit. Wie ich weit über das Normale hinaus kämpfen musste, um nicht unterzugehen. Nicht zu verzweifeln. 
Ich weiß noch, wie ich das Abi als Stufenbeste abschloss und mir nicht mal auf die Schulter geklopft wurde. 
Ich weiß noch, wie ich mitten in den Abiprüfungen gesagt bekam, dass ich ein Nichtsnutz sei und zusehen soll, dass ich arbeiten ginge. 
Das weiß ich ALLES noch. 
Das wird nicht weggehen, weil ihr das ignoriert. Ich lebe in keiner Lügenblase, um euch eine Gefälligkeit zu erweisen. Um es euch nicht unbequem zu machen.
Ich weiß noch wie ich rausgeworfen wurde. Beschimpft bis aufs Äußerste. Oh ja, ihr dachtet ihr könnt mich so kleinmachen. Eure Macht erhalten. Aber ich ging. Ich weinte und ging. Ich fühlte mich ungeliebt. Unverstanden. Allein. 

Jetzt am Wochenende mit dickem 37. Woche Zwillingsbauch, mit Kleinkind an der Hand und meinem Ehemann an meiner Seite, habt ihr das wieder versucht. Du hast angefangen, er stieg mit ein. 
Aber ihr habt es nicht geschafft mich zum Weinen zu bekommen. Das schafft ihr nicht mehr. 
Und so nahm mein Mann unseren Sohn und mich an die Hand und wir gingen. 
Es blieb keine Schwere zurück, sondern einfach nur Erleichterung aus dieser bösen, unfairen Situation ohne Wunde, ohne Schramme rausgekommen zu sein. 

In Kürze werde ich zwei weitere Kinder auf diese Welt setzen. Ich werde sie mit Haut und Haar lieben. Ihnen bedingungslos alles an Liebe geben, was ich habe. Ich werde ihnen genauso wie unserem Minimolekül großes Vertrauen in sich selbst mitgeben. Sie bestärken und ermutigen. 
Es ist gut möglich, dass ihr davon nichts mitbekommt, weil ihr euch in eurer Rolle gefallt. Das ist insofern keine Überraschung mehr für mich, weil ich es nicht anders kenne. 
Es wäre so wie immer. 

Ich will das alles so nicht! Vor allem möchte ich kein Gift in unserem Leben. Das muss draußen bleiben. Hier ist dafür kein Platz. KEIN.GIFT.

Montag, 6. Februar 2017

Deutschland - deine Kinder

Unsere Nachbarn. Unsere direkten Nachbarn sind ein skurriler und liebenswürdiger 3-Generationen-Familienhaufen. Alle etwas ulkig in ihrem Dasein, aber sehr, sehr nett und herzlich. Herr Herzmolekül findet sie zwar manchmal etwas "nervig", aber selbst er kann das, was ich jetzt gleich erzählen werde nur entrüstet und kopfschüttelnd kommentieren. Denn es ist traurig. 

Unsere Nachbarin (die 2. Generation) und ihr Mann haben zwei Kinder. Beide sind volljährig und gehen mittlerweile ihre eigenen Wege. Nun ist es aber so, dass sich besonders unsere Nachbarin derzeit aufopfernd beim Jugendamt um ein Pflegekind bemüht. Entsprechende Kurse wurden bereits belegt und das Kinderzimmer ist grob hergerichtet. Grob deshalb, weil das Kind, jenes sie alle definitiv mit Liebe und Fürsorge überschütten würden, sich seine Zimmerfarbe und die restliche Gestaltung "damit es von vornherein weiß, dass es sein Zimmer und sein Zuhause ist!" aussuchen kann. 

Nun war letzte Woche die Ansprechpartnerin und Vermittlerin vom Jugendamt da. Sie hätten da einen kleinen, achtjährigen Jungen für die Familie gehabt, sagte sie. 
Nanu, und warum hätten? Wir nehmen ihn gerne bei uns auf, sprach es aus der Nachbarin. Ihr Herz pumperte schon jetzt vor Aufregung und sie dachte da noch, dass dieses "hätte" zwar mit einem ABER, jedoch nicht mit einem ACH NE, DOCH NICHT, belegt sein würde. Und ein ABER gibt es ziemlich oft. Damit kann man umgehen und es ggf. widerlegen.
Nun, erklärte die Jugendamtstante, es wäre nicht mehr möglich diesen kleinen Jungen in die Familie zu integrieren. 
Da klingelten der Nachbarin bereits die Ohren: "Äh, bitte was???" 
Der Kleine stamme aus schrecklichen Verhältnissen. Verwahrlost. Völlig verstört und in seinem bisherigen Leben ohne Liebe sei er aufgewachsen. In seinen jungen Jahren habe er bereits die Verantwortung für seinen noch jüngeren Bruder getragen und überhaupt sei alles ganz schrecklich für ihn gewesen. 
Ja, ja, es ist uns schon klar, dass die Kinder nicht ohne Grund in Pflegefamilien aufgenommen werden, wir nehmen ihn gerne, versicherte die Nachbarin weiter. 
Leider, leider sei ihnen [dem Jugendamt] ein KLEINER Fehler unterlaufen. Das Kind war in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht und die maximale Verweildauer wurde dort überschritten. Das Kind habe sich an die Pflegefamilie zu sehr gewöhnt und wolle nicht mehr woanders hin, wurde gesagt. 
Das konnte meine Nachbarin dann schon nachvollziehen. Ein Kind mit solch einer tragischen Geschichte, welches sich vermutlich erstmalig in seinem Leben sicher fühlt, wer will das absichtlich wieder zerstören? 
Die Jugendamtstante druckste so ein wenig herum: Najaaaaaaa, so sei es nun auch nicht. Die Bereitschaftspflegefamilie sei nicht bereit das Kind als Pflegekind bei sich aufzunehmen. Sie gäben den Jungen nun wieder ab und nähmen zwei neue Kurzzeitpflegekinder bei sich auf. 
UND WO KOMMT DER JUNGE DANN HIN?, fragte die Nachbarin entsetzt. 

Ins Kinderheim. Er ist einfach nicht mehr als familientauglich einstufbar. 

Ein Achtjähriger. "Nicht mehr familientauglich". Ein ACHTJÄHRIGER!!! 
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Die Nachbarin und ich treffen uns auf der Straße. Sie erzählt mir diese leider wahre Geschichte. Mir wird ganz anders. Ihr wird ganz anders. Ich gehe stumm ins Haus, setze mich auf die Couch und lasse den Tränenstrom aus Wut und Traurigkeit einfach laufen...